Küchenzauber Persönliches

3 Monate vegan – ein Erfahrungsbericht.

2. November 2016

 

Was auf dem Blog bisher etwas zu kurz gekommen ist und schon fast vernachlässigt wurde, ist die vegane Ernährung. Für Menschen wie mich, die nach und nach feststellen, dass sie noch einiges für die Umwelt tun können und dann versuchen, so viel wie möglich am liebsten morgen umzusetzen, gab es nach der Lektüre von diversen Dokumentationen, Filmen, Ratgebern und Internetseiten nur eine Lösung: du musst vegan leben. Das ist das Beste, was du für die Umwelt, für dich, für die Tiere und unseren Planeten tun kannst. Denn das war ja mein eigentliches Ziel, als ich mich mit der ganzen Materie anfing, zu beschäftigen: ich möchte eine bessere Zukunft und eine bessere Welt hinterlassen, in der meine Tochter aufwachsen kann.

 

So – also vegan. Wer den Blog schon länger liest, hat vielleicht schon mitbekommen: das mit der schrittweisen Umstellung kann ich nicht so gut. Meine Devise ist da vielmehr: das finde ich großartig, ich will das jetzt genau so machen. Am besten sofort. Ich bin nicht wirklich die Königin in Disziplin und Durchhaltevermögen, aber wenn ich für etwas eine Leidenschaft entwickele, dann wird alles umgekrempelt und muss sofort perfekt funktionieren. Tut es das nicht, bin ich schnell enttäuscht und gefrustet.

 

Wie sich herausstellt, ist der Umstieg auf eine komplett vegane Ernährung nicht mal eben so zu machen. Eigentlich logisch – trotzdem habe ich mein Bestes versucht, denn ich wollte einfach kein Fleisch mehr essen. Insbesondere, nachdem ich Cowspiracy gesehen habe (hier habe ich den Film bereits erwähnt), kam für mich keine andere Alternative in Frage. Was also tun? Ich begann, nur noch vegane Produkte zu kaufen, probierte ein bisschen aus und fand relativ schnell gute Alternativen für meine täglichen Mahlzeiten. Kaffee mit Hafermilch mag ich mittlerweile tatsächlich sogar lieber als mit Vollmilch – wer hätte das gedacht…

 

Was mich bei der Umstellung etwas hinderte, war mein Mann. Und puh, das klingt jetzt böse! Ich konnte natürlich nicht von ihm verlangen, dass er diesen radikalen Umstieg mit mir durchzieht – hatte er sich doch nicht gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Mal abgesehen davon ist er das absolute Gegenteil eines Veganers gewesen: am liebsten Burger, Schnitzel und ein gutes Steak essen, das war eher seine Welt.

 

Und dann ist da ja noch meine kleine Tochter. Mir ist ihre Ernährung sehr wichtig und ich habe mich bisher immer bemüht, dass sie möglichst gesund isst. Jetzt wurden die Karten nochmal neu gemischt – kann ich mein kleines Kind vegan ernähren? Ist das überhaupt gesund und wird sie mit allen Nährstoffen versorgt? Trage ich das vielleicht auf ihrem Rücken aus und wird sie sogar irgendwann Einschränkungen erleiden, weil ich ihr etwas vorenthalten habe? Diese Entscheidung war die für mich schwerste.

 

Was sich relativ schnell herausstellte: alleine in einem gemeinsamen Haushalt vegan zu leben, während die anderen Familienmitglieder alles essen, ist unglaublich schwer. Wenn nicht gar unmöglich. Ich liebe es, wenn wir drei abends zusammen essen – und dann immer ein eigenes Süppchen für mich kochen? Schien mir nicht logisch und auch etwas zu kompliziert.

 

Meine Lösung war tatsächlich, dass mein Mann sich von alleine auch begann, für Themen wie Nachhaltigkeit und vegane Ernährung zu interessieren. Er wollte wissen, was mich dazu bewegte, alles umzukrempeln – und sein Entschluss war nur kurze Zeit später ebenfalls: ich werde vegan. Wir machen das zusammen und es ist die beste Alternative. Und plötzlich war das alles viel einfacher: wir kauften zusammen ein, kochten vegane Mahlzeiten und ich würde mittlerweile sogar behaupten, dass er mehr über das Thema Veganismus weiß als ich.

 

 

3-monate-vegan-erfahrungsbericht

 

 

Und wie sieht es jetzt aus?

 

Drei Monate später stehen wir nun an diesem Punkt: Wir leben immer noch vegan. Es fühlt sich nicht mehr wie eine Umstellung an, sondern diese Ernährungsform hat sich komplett in unseren Alltag integriert. Was sich am Anfang noch anstrengend und überfordernd anfühlte, bringt jetzt ganz andere Seiten zum Vorschein: beispielsweise, wie viel mehr man sich mit gesunden Lebensmitteln auseinandersetzt. Wie man den Spaß am Kochen entdeckt, weil man nicht mehr so einfach auf Fertiggerichte zurückgreifen kann. Wie man lernt, für seine Werte und Überzeugungen einzustehen, und seine Einstellung auch gegenüber anderen vertritt.

 

Aber noch viel, viel schöner als das finde ich folgendes: wir sind ein richtiges Team geworden. Klar, das waren wir vorher auch – aber wir ziehen gemeinsam an diesem Strang, motivieren uns gegenseitig in schwachen Momenten und entdecken gemeinsam diesen neuen Weg. Und das ist so eine großartige Erfahrung und hat uns richtig zusammengeschweißt. Ich bin mir übrigens auch sicher, dass ich ohne meinen Mann deutlich weniger diszipliniert wäre.

 

Denn ich will ehrlich mit euch sein: es gibt auch die Schattenseiten.

 

 

3-monate-vegan-erfahrungsbericht-2

 

 

Gibt es auch Probleme?

 

Ich habe wirklich immer gerne Fleisch gegessen, besonders Hähnchen. Auch Käse habe ich geliebt – Mozzarella ging einfach immer, Feta sowieso. Frischkäse auf’s Brot und fertig. Auf diese Dinge zu verzichten, fällt mir nach wie vor manchmal schwer. Das will ich gar nicht leugnen. Ich vermisse Käse tatsächlich am meisten – dafür habe ich auch noch keinen ordentlichen Ersatz gefunden, alle Ersatzprodukte waren bisher nicht mein Ding.

 

Insofern möchte ich auch ehrlich sein: komplett vegan zu leben habe ich nicht geschafft. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich Käse gegessen habe, es ist also insgesamt nicht viel und dazu kommt noch, dass ich davon nichts selber gekauft habe. Aber trotzdem kann man es so sehen: komplett vegan ist das nicht. Für jemanden, der allerdings erst seit 90 Tagen vegan lebt und sich eigentlich noch in der Umstellung befindet, empfinde ich es aber als in Ordnung. Es bedeutet nämlich, dass ich mich in dieser Zeit an 95% der Tage vegan ernährt habe – und damit kann ich gut leben. Es muss nicht ganz oder gar nicht sein – jeder Tag, den ich es schaffe, mich vegan zu ernähren, ist schon großartig. Diesen Fortschritt muss man sich vor Augen halten, nicht die Tage, an denen es nicht ganz geklappt hat.

 

Mit dieser Bilanz fühle ich mich sehr wohl – das schlägt sich auch körperlich nieder. Ich bin weniger müde, fühle mich fitter und ausgeglichener. Das war insbesondere am Anfang sehr auffällig, mittlerweile ist es etwas abgeflacht. Tatsächlich habe ich momentan ziemlich mit Schwindelanfällen zu kämpfen, bei denen ich hoffe, dass sie nicht an der veganen Ernährung liegen, das versuche ich momentan in den Griff zu kriegen. Abgesehen davon kann ich aber nur sagen: es geht mir besser damit – und meinem Gewissen sowieso!

 

Was ist also das Fazit?

 

Ganz simpel gesagt: Ich würde die Umstellung jederzeit wieder wagen. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt (außer Käse, wie gesagt). Viel entscheidender ist aber, dass ich so viel dazu gewonnen habe. Mein Selbstbewusstsein ist gestärkt, denn ich habe gelernt, für etwas einzustehen, von dem ich überzeugt bin. Das gute Gewissen und das Gefühl, das Richtige zu tun, gibt mir unglaublich viel Kraft – und das würde ich gar nicht missen wollen.

 

Ich will nicht ausschließen, dass ich zukünftig ab und zu mal einen vegetarischen Tag einlegen werde. Das ist möglich. Aber für mich persönlich ist vegane Ernährungsform keine Religion, sondern ein Versuch, die Welt ein bisschen besser zu machen. Und hier zählt jeder Tag auf’s Neue.

 

Was für Erfahrungen habt ihr mit der Umstellung auf die vegane Ernährung gemacht und erlebt? Und was noch viel wichtiger ist: habt ihr einen Tipp für einen richtig guten, veganen Frischkäse-Ersatz? 😉

 

 

P.S.: Ein kleiner Nachtrag noch, falls die Frage bei euch aufkommen sollte: meine Tochter isst nicht vegan. Bei uns zuhause gibt es veganes Essen, ab und zu isst sie allerdings auch mal einen nicht veganen Joghurt. In der Krippe isst sie komplett mit, das bedeutet, auch Fleisch und Milchprodukte. Ich halte das momentan für die beste Lösung. Generell bin ich davon überzeugt, dass eine vegane Ernährung auch für Kleinkinder kein Problem darstellt und – wenn richtig geplant und durchgeführt – sogar gesünder sein kann. Ich fühle mich aber nicht qualifiziert genug, um das mit gutem Gewissen, dass ihr nichts fehlt, gerade so durchzusetzen. Deswegen fahren wir mit diesem Weg sehr gut!

 

 

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12 Comments

  • Reply Nina 2. November 2016 at 13:40

    Liebe Anni,

    ich bin sehr beeindruckt von deinen Beiträgen und verfolge sie schon länger. Deine Umstellung auf eine vegane Ernährung gefällt mir sehr gut und regt mich zum Nachdenken an. Es beruhigt mich, dass es auch mit Kind möglich ist, wie du schreibst. Dass du Schwindelanfälle hast, hört sich nicht gut an. Ich wünsche dir gute Besserung deswegen.

    Mach weiter so.

    Liebe Grüße,
    Nina!

    • Reply Annie 3. November 2016 at 08:39

      Hallo liebe Nina! Danke für deine Worte 🙂 Ich freu mich total, dass ich dir einen kleinen Denkanstoß geben konnte. Die Sache mit dem Schwindel behalte ich auf alle Fälle im Auge, aber lieben Dank für die Besserungswünsche! Ich hoffe euch geht es auch gut 🙂 Liebste Grüße, Anni 🙂

  • Reply Jenni 2. November 2016 at 19:04

    Liebe Anni,

    ich habe diesen Bericht mit Begeisterung gelesen – denn mir gefällt dein authentischer Stil sehr. Du versuchst nicht, irgendetwas ideologisch zu überhöhen und/oder schönzureden und gehst genau auf die möglichen Schwierigkeiten und eventuelle Probleme ein – das finde ich großartig! 🙂
    Toll auch zu lesen, wie ihr beide – du und dein Mann – im Laufe der Zeit ein Team geworden seid. Genau dasselbe ist bei uns auch passiert (sowohl, was den Veganismus als auch was die Müllvermeidung anbelangt) und mittlerweile ist Mr. Grünzeug in manchen Belangen ebenfalls fast noch genauer und achtsamer als ich es bin. Was manchmal so für Wunder passieren… 😉

    Hmmh…das mit den Schwindelanfällen klingt aber wirklich nicht so gut – nimmst du genügend Kalorien zu dir? Manchmal überschätzt man das, gerade, wenn man von einer omnivoren Ernährung auf eine komplett vegane umgestiegen ist. Viele hochkalorische Lebensmittel fallen da ja (sofern du nicht komplett mit Fertigprodukten arbeitest) weg und da kann man dann schon mal ziemlich schnell unbewusst zu wenig essen…Das ist aber nur eine Vermutung, die auf eigenen Erfahrungen beruht – keinesfall eine sichere Diagnose. 🙂
    Ich hoffe auf jeden Fall, dass du die Ursache des Problems findest und sich das bald wieder einpendelt!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply Annie 3. November 2016 at 08:42

      Hey liebe Jenni! Ich freu mich unglaublich, dass mein Beitrag dir gefallen hat! Du hast Recht, es kann tatsächlich die Kalorienzufuhr sein, obwohl ich eigentlich bekennender Kohlenhydrate-Fan bin 😉 Aber ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten und versuchen herauszufinden, woran es liegt. So oder so, danke dir für deinen lieben Kommentar 🙂

  • Reply Paula 3. November 2016 at 12:35

    Liebe Anni,
    toller Artikel und genau die richtige Einstellung. Ich finde es absolut legitim, gelegentlich Käse o.Ä. zu essen und handhabe es ähnlich wie du – bpsw. alle Milchprodukte, die ich container oder durch Foodsaving bekomme, verzehre ich auch, kaufe sie jedoch seltenst selbst. Schön, dass ihr inzwischen ein Team seid und euch da gegenseitig so gut unterstützen könnt!
    Was deinen Schwindel angeht – schau mal, dass du wirklich genug von Allem isst, also KH/Fett/Eiweiß, aber auch Eisen, etc.

    Was den veganen Frischkäse angeht – ich mag gerne Cremes auf Basis von Cashew und Hefeflocken und habe von einigen Veganern gehört, dass sie SIMPLY V lieben 🙂

    Liebe Grüße
    Paula
    http://www.laufvernarrt.de

    • Reply Annie 3. November 2016 at 19:50

      Danke dir für deinen Kommentar, liebe Paula!
      Ich bin total froh, dass die Kommentare hier eher unterstützender Natur sind… ein bisschen habe ich auch damit gerechnet, dass doch etwas Kritik kommt – denn Käse als Veganer zu essen, da fühlen sich doch ein paar ja mal schnell sehr in ihren Überzeugungen angegriffen. Umso mehr danke ich dir für deinen Anstoß! Ich schau nochmal, dass ich mich etwas mehr mit der Nährstoffversorgung auseinandersetze.
      Simply V sehe ich jedes Mal in unserem Rewe und bin bisher immer daran vorbei geschlichen. Vielleicht gebe ich ihm doch mal eine Chance 😉
      Danke auch hier für den Tipp!
      Ich schick dir ganz liebe Grüße,
      Anni 🙂

  • Reply Elisabeth 7. November 2016 at 12:41

    Liebe Annie,
    danke für deinen authentischen Bericht! Ich musste lachen, denn bei uns ist es ganz ähnlich: Ich stoße etwas an (vegetarisch, vegan, Müllvermeidung…) und am Ende ist mein Mann darin oft konsequenter als ich selbst 😉
    Deine undogmatische Einstellung teile ich voll und ganz. Ich bin leider auch noch nicht bei 100% vegan angekommen, aber genau wie du denke ich, dass sich 95% auch schon sehen lassen können!
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

  • Reply Annie 7. November 2016 at 20:23

    Hallo liebe Elisabeth, ich danke DIR für deinen tollen Kommentar! Komisch, dass die Männer da wohl öfter das Ruder an sich reißen wollen 😉 Witzige Parallele! Und du hast vollkommen Recht: 95% sind schon mal 95% mehr als gar nichts zu tun… <3
    Ich schick dir liebe Grüße!

  • Reply Miri 8. November 2016 at 14:29

    Hallo liebe Annie,
    echt schöner Beitrag, den ich mit einem schmunzeln auf den Lippen gelesen habe! Ich habe mich in vielen Dingen wieder gefunden. Ich bin mittlerweile selbst seit über 1,5 Jahren vegan – wobei ich auch hier und da ein paar Ausnahmen mache und mich deswegen nicht zwingend als „vegan“ betiteln möchte. Ich finde, deine Einstellung dabei super. Es kommt doch nicht darauf an, sich zwingen zu müssen, 100% vegan sein zu müssen. Man sollte glücklich sein, mit dem was man tut – und wenn es dann mal Käse aus Milch sein muss, dann ist das so. Punkt. Wobei ich hier den veganen Käse von Simply V oder Wilmersburger mit Mushrooms (falls du auf Trüffel stehst :D) empfehlen kann. Eine selbstgemacht Creme aus Cashews und Hefeflocken ist auch genial 🙂 Ich freue mich auf ein Update von dir!
    Liebe Grüße, Miri von http://www.cheatcleanlikeaqueen.wordpress.com

    • Reply Annie 15. November 2016 at 08:41

      Danke für deine lieben Worte, Miri <3 Deine Einstellung finde ich ganz großartig!

  • Reply Judith 11. Januar 2017 at 17:12

    Hallo Anni,
    ich finde deinen Beitrag sehr gut gelungen und vor allem ehrlich. Ich lebe auch seit einem Jahr hauptsächlich vegan und ich betone das Wort ‚hauptsächlich‘ gerne. Ich finde auf (nicht-vegane) Schokolade und Süßes im Allgemeinen zu verzichten am allerschwersten. Ich kam schon mal an einen Punkt, da ist es mir überhaupt nicht schwer gefallen, aber gerade zur Weihnachtszeit war es für mich fast unmöglich auf Süßes zu verzichten. Ich habe auch festgestellt vegan ist nicht gleich vegan. Es fällt mir leichter, wenn ich auf viel Fett verzichte und mehr Kohlenhydrate esse. Ich verstehe also vollkommen, wenn du sagst, dass du 95% vegan bist. 🙂
    Viele Grüße,
    Judith
    http://www.blushandblazer.com

  • Reply Melina 16. Februar 2017 at 12:24

    Toller Bericht 🙂 Vegan essen ist garnicht so schwer wie viele glauben und vor allem ist es auch mega lecker. Super Blog – Weiter so! xx

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