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Capsule Wardrobe – Schritt für Schritt

7. August 2016

 

In diesem Beitrag habe ich über meine Motivation geschrieben, mir einen Capsule Wardrobe einzurichten und mein bisheriges Kleiderschrank-Konzept über den Haufen zu werfen. Das Thema hat von euch einigen Zuspruch erhalten und weil ich nach wie vor immer noch im Veränderungsprozess bin, wird es Zeit für ein kleines „Tutorial“!

Aber zuerst nochmal die Fakten:

 

Was ist ein Capsule Wardrobe?

Ein Capsule Wardrobe ist eine minimalisierte und durchdachte Garderobe, die darauf ausgelegt ist, dass sie möglichst ideal untereinander zu kombinieren ist. Alle Teile des Kleiderschranks haben ihre Berechtigung und ergänzen die restliche Garderobe perfekt – so ist man für alle Anlässe und Gelegenheiten bestens gekleidet.

 

Was für Vorteile bringt so ein Capsule Wardrobe?

Es spart morgens unheimlich viel Zeit beim Aussuchen: du hast weniger, dafür aber optimal zueinander passende Sachen.

 

Es spart Geld, weil du den neuesten Shopping-Versuchungen widerstehen kannst. Dein Kleiderschrank ist nämlich schon so gut wie perfekt!

 

Reisen und kurzfristige Trips sind kein Problem: weil du weniger Kleidung besitzt, stellt sich auch nicht die Frage: was nehme ich alles mit?

 

Du hast keine Schrankleichen mehr.

 

Da deine Sachen so ausgewählt sind, dass du dich besonders wohl in ihnen fühlst, steigt dein Körpergefühl. (Wir alle kennen doch das Gefühl, wenn man etwas anhat, das irgendwie nicht so super sitzt. Ständig fummelt man daran rum!)

 

Du kannst deine persönlichen Vorlieben (zB. Ethische, wie bei mir) perfekt umsetzen, denn die Kleidung, die es in deinen Kleiderschrank „schafft“, muss all deinen Ansprüchen genügen.

 

Ein Capsule Wardrobe hilft dir wunderbar dabei, deinen eigenen Stil zu finden! Denn wenn du weniger, dafür aber ausgewählter kaufst, kristallisiert sich so langsam dein eigener Stil heraus.

 

Und das Wichtigste zum Schluss: Du bist immer gut gekleidet! 🙂

 

capsule-wardrobe-tutorial-1

Und wie geht das nun?

Tja, kommen wir ans Eingemachte! 😉 In diesem Prozess befinde ich mich gerade aktuell und das war meine persönliche Vorgehensweise, die aber sehr gut funktioniert hat:

 

  1. Sammele Inspirationen.

Bevor du auch nur ein Teil deines Schranks ausmistet, befasse dich erstmal generell mit deinem persönlichen Stil! Was gefällt dir gut, was weniger? Worin fühlst du dich wohl und was passt auch gut in deinen Alltag? Es ist schön, wenn du elegante Blusen aus Seide am liebsten trägst, hast du aber ein kleines Baby zuhause, solltest du diese Wahl nochmal überdenken und versuchen, einen Mittelweg zu finden.

Erweitere deine Sammlung ruhig über einen längeren Zeitraum, so vermeidest du, dass du spontane Trend-Ausbrüche in deinem Kleiderschrank aufnimmst, die dir aber einen Monat später schon gar nicht mehr gefallen. Besser ist es, über längere Zeit einfach mal zu sammeln, was du so gut findest und was zu dir passen würde, und nach einer Weile zu sehen, wie sich so langsam dein eigener Stil zeigt.

Eine große Sammlung kannst du entweder ganz einfach in Ordnern auf deinem PC abspeichern, oder was ich noch einfacher und deutlich besser finde, ist Pinterest. Meine Inspirationen findest du übrigens hier. Mittlerweile habe ich mehrere hundert Pins gesammelt, und wenn man diese durchscrollt, kann man gut feststellen, was meine persönlichen Favoriten sind. Mir gefallen zum Beispiel:

neutrale Farben (weiß, hellgrau, dunkelgrau)

lockere Schnitte

Basics in allen Varianten (T-Shirts etc.)

Strick in gedeckten Farben

Layering

wenige verspielte Oberteil, hauptsächlich im Boho-Stil

reduziertes Design (keine auffälligen Muster)

hauptsächlich Jeans (häufig im Used-Look)

gestreifte Oberteile

filigrane und reduzierte Accessoires

wenig Kleider und Röcke, eher Hosen

flache Schuhe

Wie gesagt, das kann bei dir ganz anders sein, dient aber hauptsächlich der Anschauung. Hast du dann solche „Oberkategorien“ festgelegt, solltest du dich allerdings noch folgendes fragen: Passt das in deinen aktuellen Alltag? Ich habe zum Beispiel eine kleine Tochter, die noch viel beim Essen matscht, ziemlich häufig eine laufende Nase hat und als Studentin bin ich auch nicht an irgendeinen Dresscode gebunden oder muss auf Geschäftsreisen. Das muss ich berücksichtigen – würde ich beispielsweise sehr auf weiße Etuikleider stehen, müsste ich das in Frage stellen, denn es würde einfach nicht zu meinem Lebensstil passen.

 

  1. Mache eine Bestandsaufnahme deines Kleiderschranks.

Auch hier würde ich dir noch nicht raten, schon Dinge auszusortieren. Sobald du damit anfängst, wirst du sicher auch neue Sachen kaufen wollen, um die Lücken zu schließen. Und das passiert leider häufig unüberlegt und führt zu dem, was wir ja eigentlich reduzieren wollen – nämlich einem überfüllten Kleiderschrank!

Deswegen habe ich erst einmal meine ganzen Sachen auf den Prüfstand gestellt und jedes einzelne Teil begutachtet. Dabei habe ich mir immer folgende Frage gestellt: Trägst du dieses Teil gerne? Wenn die Antwort Nein lautet, kannst du direkt zum nächsten Teil übergehen.

Lautet die Antwort aber ja und du trägst dieses Oberteil oder diese Hose gern und regelmäßig, schließt sich die zweite Frage an: Warum? Was gefällt dir daran besonders und wieso magst du es so? Ist es der Schnitt, die Passform oder die Farbe?

Diese Prozedur hilft dir dabei, ein Gefühl dafür zu bekommen, was dir steht und worin du dich wohl fühlst. Denn es ist wahnsinnig hilfreich, eine Mode-Sammlung anzulegen, aber es bringt nichts, wenn das alles Dinge sind, die du eigentlich so nie tragen würdest. Sei auch ruhig sehr kritisch mit den Dingen in deinem Kleiderschrank und beantworte die Frage ganz ehrlich!

 

  1. Stelle deinen Capsule Wardrobe zusammen.

Überlege dir nun, wie viel Kleidung du tatsächlich brauchst! Und das ist erfahrungsgemäß viel weniger, als wir denken. Im Normalfall haben wir alle eine Waschmaschine zuhause und brauchen keine 50 Oberteile. Sich hier am absoluten Minimum zu bewegen, empfinde ich persönlich aber als belastend: ein wenig Auswahl und Spielraum sollte doch noch vorhanden sein. Ich komme überschlagend auf etwa 60 Teile (ohne Accessoires oder Schuhe) und das passt für mich persönlich sehr gut. Sind es bei dir 80, ist das aber auch okay – ebenso wie 30. Eine absolute Obergrenze sollte man sich allerdings vielleicht doch setzen, um nicht wieder zu viele Dinge anzusammeln.

Meine Kategorien für die kältere Jahreszeit sind beispielsweise diese:

2 Tops

8 T-Shirts

4 Blusen

5 Pullover

2 Strickjacken

5 Hosen

1 Leggings

1 Strickkleid

2 Gürtel

3 Taschen

4 Jacken

plus Unterwäsche, Schlafsachen, Sportsachen und Socken 😉

Damit fahre ich sehr gut, habe immer genug Sachen im Schrank und muss aber nicht alle drei Tage waschen.

Hast du erst einmal eine Idee, wie viel du tatsächlich benötigst, kannst du endlich loslegen und dir Gedanken dazu machen, was du für Farben, Teile etc. in deinen Kleiderschrank aufnehmen möchtest. Dabei hilft dir die Sammlung deiner Outfit-Inspirationen aus Punkt 1 unheimlich! Jetzt hast du ein Gefühl dafür, was du gerne trägst, was dir steht und warum es dir gefällt. So kannst du Fehlkäufe vermeiden und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas im Schrank landet, was oft von dir getragen wird ist viel höher!

Meinen Capsule Wardrobe für diesen Herbst bzw. Winter zeige ich dir natürlich auch – aber in einem separaten Post, damit dieser nicht gesprengt wird 😉

 

capsule-wardrobe-2-2

 

  1. Jetzt wird ausgemistet.

Endlich weißt du genau, was in deine Garderobe und zu dir passt und was vor allem noch fehlt. Alles, was da bleibt, sollte seine Berechtigung haben. Die anderen Dinge kommen weg! Aber bitte nicht sinnlos wegschmeißen – du hast zum Beispiel folgende Möglichkeiten, die Kleidung abzugeben:

auf Online-Plattformen verkaufen (Momox, Kleiderkreisel, ebay Kleinanzeigen, Facebook-Gruppen…)

an eine soziale Einrichtung in deiner Stadt spenden

auf Flohmärkten verkaufen

in Second-Hand-Shops abgeben

an Freunde, Verwandte usw. verschenken – oder auch über ebay Kleinanzeigen als „zu Verschenken“ reinstellen, das klappt garantiert!

Wie genau du beim Ausmisten vorgehst, ist natürlich von Person zu Person verschieden. Und hängt auch von der eigenen Messi-Ausprägung ab 😉 Ich hänge nicht besonders an meinen alten Klamotten (was schon für sich spricht) und bin relativ radikal beim Ausmisten. Falls du Schwierigkeiten dabei hast, kannst du zum Beispiel auf die KonMari-Methode zugreifen! Damit sollte es funktionieren 🙂

 

  1. Nun darfst du endlich einkaufen! 🙂

Yeah! Ab in die Läden und durchdrehen!

…oder vielleicht auch nicht. 😉 Sondern etwas gemäßigter: mach dir einen Überblick über all das, was fehlt, und halte gezielt Ausschau danach. Nicht ablenken lassen 😉 Die Ansprüche an deine zukünftige Kleidung sollten nun auch gestiegen sein, sie muss perfekt zu dir und deinem Kleiderschrank passen. Ich persönlich achte bei Neuanschaffungen nun auch ausnahmslos darauf, dass sie unter menschenwürdigen Umständen produziert worden sind. Wenn du auch so tickst und Hilfe brauchst, gibt es auf einigen Blogs schon Listen mit Shops, die Fair Fashion anbieten und an denen du dich erst einmal orientieren kannst. Ansonsten wären auch schöne Anlaufstellen:

Loveco

ArmedAngels

PeopleTree

Avocadostore

Grüne Wiese

hessnatur

Avesu

Und zum Glück noch viele andere!

Natürlich ist es immer besser, lokal einkaufen zu gehen und vorher Secondhand-Shops ins Auge zu fassen. Vielleicht gibt es ja schon dort etwas, was du suchst! Falls du aber nicht fündig wirst und auch die Geschäfte in deiner Nähe nichts hergeben, denke ich, dass auch Online-Shopping okay ist, solange es nicht ständig passiert (idealerweise kannst du auch insgesamt nur ein- oder zweimal bestellen und deine Bestellung bündeln, um die Verpackungskosten und das -material so gering wie möglich zu halten).

Das wird sicher alles nicht von heute auf morgen gehen, sondern ein langer Prozess sein, ist es bei mir auch. Aber dafür ist das Ergebnis umso schöner und langlebiger!

Lass mich gerne in den Kommentaren wissen, wie dir dieses „Tutorial“ gefallen hat! 🙂

 

PS: Mein Pulli ist von hessnatur (100% Schurwolle), du findest ihn hier.

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5 Comments

  • Reply Kristina 7. August 2016 at 23:18

    Ich finde solche Posts immer super interessant (übrigens hast du einen tollen Blog, habe ihn gerade eben erst entdeckt!). Ich miste regelmäßig aus, verkaufe und tausche sehr viel auf Kleiderkreisel, aber ich habe immer noch so viele Teile, dass ich die dringend loswerden muss. Bald gibt es hier bei mir einen Flohmarkt und dann kommt alles raus! In letzter Zeit wird es bei mir auch einen Ausmist-Post geben, denn momentan habe ich richtig Lust bekommen, da mal wieder ein wenig aufzuräumen 🙂

    • Reply Annie 8. August 2016 at 10:08

      Hi Kristina, danke für das liebe Kompliment! Ich finde Ausmisten auch großartig – unheimlich befreiend und entlastend 🙂 Liebste Grüße an dich!

  • Reply Sunray | The organized Cardigan 9. August 2016 at 13:59

    Hallo Annie!
    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt – schön hast du es hier und interessante Themen!
    Das Thema Capsule Wardrobe beschäftigt mich auch schon lange und auch ich gehöre eher zu den visuellen Planerinnen und nutze wie du mit Vorliebe Pintetest dazu! Auch zum Planen meiner Capsules, und das funktioniert wunderbar!! Schön, dass ich das auch mal bei wem anders lesen kann!! 🙂 <3
    Gut finde ich, dass du immer wieder betonst, wie wichtig das Passen der Kleidung zum Alltag ist. Das sehe ich genau wie du! Und total spannend, wie du das mit Kind umsetzt! Hoffentlich kommen dazu bald noch mehr Beiträge, da würde ich mich sehr drauf freuen! 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Sunray

    • Reply Annie 10. August 2016 at 09:46

      Guten Morgen liebe Sunray,
      erst einmal: was für ein toller Name! 🙂 Heißt du wirklich so?
      Und dann vielen Dank für dein liebes Kompliment! Das freut mich ganz arg 🙂 Ich bin auch gespannt, wie sich mein Capsule Wardrobe so entwickeln wird, aber ich werde auf jeden Fall berichten, wie es mir gelingt 😉 Und du hast so Recht, Pinterest ist da wirklich eine Goldmine, was das angeht 😉
      Ganz liebe Grüße an dich und hab einen schönen Tag 🙂

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