Fair Fashion Green Lifestyle

Fair Fashion – warum eigentlich?

31. Juli 2016

 

 

Achso, du lebst jetzt also „nachhaltig“?

 

 

Vor zwei Jahren hätte ich einen Blogpost über Fair Fashion vermutlich niemals geschrieben. Nun brennt es mir aber unter den Nägeln – schon komisch. Meine „Reise“ zu einem grünen Lebensstil ist lang und hat gerade erst begonnen, aber warum mache ich das Ganze eigentlich?

Kurz gesagt: aus Überzeugung. Die lange Fassung kommt jetzt 😉

Warum ich das Bedürfnis habe, anders zu leben als vorher – nachhaltiger, bewusster und überlegter – das liegt vor allem an folgender Frage:

 

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Wer willst du eigentlich sein? Ich hab in meinem Leben einige Eckpunkte, über die ich mich definiere. Ich bin Mama einer kleinen Tochter. Ich bin seit kurzem verheiratet und mache ein Fernstudium in Wirtschaftspsychologie. Ich bin ein nachdenklicher, emotionaler Mensch, der chronisch auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens“ ist. Ich definiere mich darüber, dass ich niemals blond sein möchte, dass ich gut zuhören kann, dass ich gerne Tomaten esse und ein bisschen „Nerd“ in mir steckt.

Ich halte mich auch für einen guten Menschen: ich bin freundlich zu den Menschen um mich herum, verletze niemanden aus böser Absicht heraus, glaube daran, dass man mit Nettigkeit im Leben viel weiter kommt als ohne und gebe gerne Trinkgeld.

Meine Tochter ist jetzt fast 1 ½ Jahre alt und spricht noch nicht viel außer Mama, Papa und „Da!“ (Was übrigens ganz bezaubernd ist.). Irgendwann wird sie mehr sprechen und Fragen stellen, die ich ihr hoffentlich zufriedenstellend beantworten kann. Und wenn ich an meine Erziehung denke, dann möchte ich versuchen, dass auch sie irgendwann ein „guter Mensch“ wird. Dass sie Personen wertschätzt und gut behandelt (ebenso wie sich selbst), sie mit Freundlichkeit und Offenheit durch das Leben geht und grundsätzlich immer vom Positiven ausgeht.

Aber ich möchte ihr auch beibringen, zu hinterfragen.

Ich beispielsweise habe mich vor noch gut einem Jahr überhaupt nicht für das interessiert, was sich in meinem Kleiderschrank befindet, wo es herkommt und wo es vielleicht mal verschwindet, wenn ich das Teil satt habe. (Darüber könnt ihr hier mehr lesen.) Fair Fashion, was ist das? Mich hat auch nicht interessiert, wo mein ganzer Müll hinkommt, sobald die Müllabfuhr ihn abgeholt hat – und warum Tomaten eigentlich verpackt sind, auch nicht.

Es hat mich auch nicht interessiert, ob die Dinge, die ich besitze, besonders „gut“ oder „qualitativ hochwertig“ waren – ich freute mich sogar, wenn ich ein Schnäppchen machen konnte. Was auf den Labeln meiner Kleidung stand? Keine Ahnung. Wahrscheinlich „Made in Bangladesh“.

So viele Sachen waren mir einfach egal und ich habe nie genau hingesehen.

Dummheit? Ignoranz? Es einfach nicht wahrhaben wollen?

Vermutlich eine Mischung aus allem.

 

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Wir kommen wieder zurück zur Frage: Wer willst du sein?

Ich möchte meiner Tochter ein Vorbild sein und mit gutem Gewissen in den Spiegel sehen können. Ich will (und könnte es auch gar nicht, denn es würde nicht funktionieren) nicht Wasser predigen und Wein trinken: denke quer, setze dich ein, hinterfrage Dinge – aber bitte nicht, warum deine Mami ein Oberteil trägt, dass unter ausbeuterischen Umständen hergestellt wurde. Warum sie ein Gericht kocht, dass mit Zutaten gekocht wurde, die in Plastik verschweißt sind und das, obwohl es mehrere große Wochenmärkte UND einen Unverpackt-Laden in der Stadt gibt.

Was ich noch sein will, ist jemand, der mit gutem Beispiel voran geht und Glück erfährt, indem er Gutes tut – zum Beispiel, indem er darüber berichtet! 😉

Ich habe schon so viele Dinge, die mich unendlich glücklich machen – allen voran meine kleine eigene Familie. Dafür bin ich unglaublich dankbar und kann manchmal gar nicht begreifen, wie groß meine Liebe ist.

Und doch habe ich darüber hinaus noch Dinge, an denen ich arbeiten möchte und mit denen ich mich so nicht zufrieden geben kann. Das ist auch okay – ich kann mich selber nach wie vor weiterentwickeln und das ganz ohne Stress und Druck.

Der Wendepunkt, der mir letztendlich die Augen geöffnet hat, war tatsächlich der Film „The True Cost“. Vermutlich geht es vielen so, die – wie ich – eigentlich zwar wissen, dass es in der Textilindustrie nicht ganz mit rechten Dingen zugehen kann, aber das konsequent ignorieren, weil es eben einfacher ist, ein Shirt für 5€ zu kaufen.

Zu sehen, wie sehr die Menschen unter diesen Bedingungen leiden müssen, wie sie dafür sterben müssen, damit wir ein billiges Oberteil einen Abend lang auf einer Party tragen können, macht mich fassungslos.

 

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Und wieder reflektiere ich mein eigenes Konsumverhalten: vor etwa fünf Jahren lebte ich während meiner Ausbildung in Köln und habe tatsächlich mehrmals eine Stunde Zugfahrt hin und zurück auf mich genommen, nur, um nach Oberhausen zu fahren und bei Primark einzukaufen. Inklusive großer Papiertüte, gefüllt mit Klamotten ohne Ende, versteht sich. Das war normal für mich. Ebenso wie die ganzen anderen, die mit diesen riesigen Tüten aus diesem Laden kamen. Es gehört schon fast zum Stadtbild.

Umso mehr hat es mich getroffen, „The True Cost“ zu sehen und zu begreifen: auch du hast diese Bedingungen unterstützt. Du hast mitgeholfen.

Wenn man so weit weg ist, tendieren Personen dazu, sich als nicht verantwortlich dafür zu sehen. Ist ja nicht mein Ding, das passiert doch eh am anderen Ende der Welt.

So hab ich auch gedacht, und ich bin froh, dass ich es nicht mehr tue.

Gerade in unserer heutigen Zeit haben wir jeden Tag immer wieder Entscheidungen aus unendlich vielen Möglichkeiten zu treffen: was ziehe ich heute an? Was will ich heute essen? Gehe ich noch zum Sport oder lese ich lieber ein Buch? Sollte ich meinen Job kündigen, weil er mir keinen Spaß mehr macht?

Wir haben so viele Alternativen, und das gilt auch im Bereich Bekleidung: es gibt mittlerweile (zum Glück!) so viele Unternehmen, die faire Mode anbieten, die bezahlbar und schön ist. Und die man mit guten Gewissen tragen kann.

Und ich habe mich entschlossen, jeden Tag aufs Neue die Entscheidung für Fair Fashion zu treffen.

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8 Comments

  • Reply Vita 31. Juli 2016 at 12:45

    Wirklich ein schöner Post und eine tolle Einstellung 🙂 ich habe gerade erst angefangen vieles zu hinterfragen und fange mit dem Schritt an kein Fleisch zu essen. Ich würde mich auf alle Fälle freuen, wenn du uns mitnimmst und uns marken zeigst, die nachhaltig sind 🙂

    Liebe Grüße,
    Vita

    • Reply Annie 1. August 2016 at 09:25

      Guten Morgen liebe Vita 🙂
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ja, das ist der Plan – ich denke, vielen geht es so wie uns und sie stehen auch noch irgendwie am Anfang und müssen sich erst mal mit dieser „Lebensumstellung“ zurecht finden. Also warum nicht das Ganze gemeinsam angehen 😉 Meine Ernährung ist auch relativ fleischarm, ich würde auch gerne zukünftig auf Fleisch verzichten und eventuell sogar mal vegan leben, aber ich muss gestehen, dass ich mich damit noch nicht so auseinander gesetzt habe. Ich habe ja eine kleine Tochter und muss erst sehen, wie ich das auf die Beine bekomme, bevor ich da alles umkrempele 😉
      Übrigens finde ich deinen Blog wunderschön! Und wir haben doch einige Gemeinsamkeiten (Studenten, Fair Fashion und ich habe auch mal in Köln gelebt)… von daher folge ich dir sehr gerne und schaue ab jetzt regelmäßig vorbei 🙂
      Liebste Grüße und einen super Wochenstart für dich! 🙂

  • Reply Anna 1. August 2016 at 10:54

    Super Beitrag – ich finde es klasse, wie du von deinen Gedanken sprichst udn uns mitnimmst. Mir geht es genauso ich hab zwar den Film noch nicht gesehen, konsumiere aber seit einiger Zeit viel bewusster und möchte auch andere dazu animieren und inspirieren. Super, dass in letzter Zeit viel mehr Blogger auch dieses wichtige Thema aufgreifen – gemeinsam können wir kleine Schritte in die richtige Richtung machen und die Welt wieder zu einem „besseren“ Ort machen! 😉

    Vielen Dank, dass du deine Gedanken mit uns geteilt hast und so offen darüber schreibst. Ich denke darüber nach, eine neue Kategorie auf dem Blog zu integrieren und da immer mal wieder gesamelte Blogposts von anderen aufzugreifen… Darf ich deinen Beitrag speichern und vielleicht bald mal auf meinem Blog teilen?

    Liebe Grüße
    Anna

    • Reply Annie 1. August 2016 at 16:20

      Hey liebe Anna! 🙂 Danke dir! Ich sehe das auch so: klar sind die Themen, über die ich hauptsächlich schreibe, gerade ganz aktuell und relevant .. Aber da kann es meiner Meinung nach nicht genug Leute geben, die sich mit diesen Themen beschäftigen 😉

      Und natürlich darfst du den Beitrag gerne teilen, ich würde mich ganz riesig drüber freuen!! Ich freue mich auf einen post 🙂 übrigens folge ich deinem blog auch schon ein Weilchen und finde ihn ganz toll! :)))

  • Reply Stephie 3. August 2016 at 11:51

    Total schöner Blogpost! Ich finde jedes einzelne Wort toll und deine Einstellung bewundernswert!
    Ich selbst befinde mich auch gerade auf dem Weg zu einem grüneren Kleiderschrank und shoppe viel weniger als noch vor einiger Zeit. Es ist noch ein langer Weg und vor allem gehören auch Einschränkungen und Umgewöhnen dazu. Ich hoffe dennoch, dass sich noch sehr viele mehr, uns anschließen und den eingenen Konsum überdenken.

    Viele Grüße
    Stephie

    • Reply Annie 3. August 2016 at 21:19

      Danke liebe Stephie <3
      Ich freue mich auch über jeden, der endlich begreift, dass ein Umdenken wirklich mehr als nötig ist.. War ja bei mir selbst bis vor kurzem nicht anders. Aber es tut einfach so gut, mit den eigenen Einstellungen zu leben und nicht dagegen 😉
      Ich wünsch dir alles Liebe 🙂 Anni

  • Reply Dorothea 8. August 2016 at 09:59

    Spannender Beitrag!
    Ich denke in Zukunft werden immer mehr Menschen umdenken… 🙂

    Liebe Grüße
    Dorothea
    http://justambitious.com/

    • Reply Annie 8. August 2016 at 10:07

      Guten Morgen liebe Doro 🙂 Danke! Das hoffe ich auch sehr!! 🙂
      Übrigens hast du einen wunderschönen Blog, habe gerade mal vorbei geschaut! Sehr cool!
      Alles Liebe dir, Anni 🙂

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