Selbstfindung

Über das Bauchgefühl

21. Januar 2016

Heute möchte ich über etwas schreiben, dass mir persönlich unglaublich wichtig ist und ohne das ich wohl nicht so wäre, wie ich es jetzt bin: das Bauchgefühl.

Warum hat das einen eigenen Post verdient? Ganz einfach – weil für mich mein Bauchgefühl immer die richtige Entscheidung trifft. Auch die verwirrendsten und undurchsichtigsten Fragestellungen lassen sich damit so leicht lösen, und jede noch so schwer erscheinende Krise kann damit abgewendet oder überstanden werden. Irgendwie ist es immer der richtige Weg – zumindest für mich.

Manchmal ist es aber von Anfang an nicht ganz so klar – dann kommen logische Argumente, die so geliebte Vernunft oder die rationale Seite zum Vorschein und wollen dir weismachen, sie wissen es viel besser. Und dann scheint es auch so, als ob das die richtige Gabelung ist und man ganz darauf vertrauen sollte, was der Kopf sagt. Die Gefühle ignorieren – und das tun, was „sinnvoll ist“.

Alles Käse! …finde ich.

Klar gibt es Momente, da MUSS man auf den Kopf hören! Ich kann mir nicht mit einem 10000€-Schuldenberg einen neuen Ferrari kaufen, weil der mir so gut gefällt. Oder vom 3-Meter-Turm springen, wenn ich nicht schwimmen kann.

Aber es kommen Zeiten, in denen man sich nicht sicher ist, was man tun soll. Bestimmte Abzweigungen im Leben, an denen man sich entscheiden muss. „Soll ich das Kind abtreiben, weil ich erst 18 bin?“ / „Kaufen wir jetzt dieses Haus oder warten wir noch?“ / „Tut mir diese Beziehung gut oder soll ich mich trennen?“ / „Werde ich Künstlerin oder doch lieber Bankangestellte?“

Ich rede von Momenten, in denen die Antwort nicht ganz klar zu sein scheint. In denen man sich verlieren kann im Grübeln und Abwägen, in denen man nachts wach liegt und sich fragt, was man denn nur tun soll.

 

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Oft fällt es gerade dann schwer, eine Entscheidung zu treffen, weil die Gedanken herumrasen, man nicht zur Ruhe kommt oder vielleicht sogar unter Zeitdruck steht und sich für eine Sache entscheiden MUSS.

Viel zu oft vergisst man dann, auf den eigentlich so wichtigen Teil zu hören: auf sich selbst. Oft steht der Weg nämlich von Vornherein schon fest, und man hat die Entscheidung schon längst getroffen!

Ich will euch einmal eine Geschichte erzählen, die sich vor ein paar Tagen hier ereignet hat:

In diesem Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass wir irgendwann vorhaben, uns eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen. Von meinen Gefühlen und Wünschen, und der letztendlichen Entscheidung: ja, irgendwann wollen wir was Eigenes für unsere kleine Familie.

Wie es der Zufall so wollte, tat sich in unserem Umfeld eine Gelegenheit auf: Es wurden mehrere Gebäude gebaut, mit neuen und modernen Wohnungen mit eigenem Gartenanteil. Groß genug für uns. In einem Wohngebiet am Stadtrand, trotzdem wäre man mit der Bahn in zehn Minuten in der Innenstadt. Für Mila wunderschön, um dort aufzuwachsen.

Ich sah uns schon einziehen.

Als wir uns dann die Wohnung anguckten, stellte sich aber raus: entweder 3-Zimmer MIT eigenem Garten oder 4-Zimmer OHNE eigenen Garten. Schnell war klar: drei Zimmer sind zu wenig. Wenn da noch ein Kind kommt oder man Gäste hat, reicht das nicht aus. Also auf die 4-Zimmer-Wohnung ausgewichen. Ich fing an, Kompromisse zu schließen – schließlich gab es ja einen Garten für alle Mieter, das würde sicher auch gehen und man könnte sich mit den anderen Wohnungseigentümern darauf einigen, alles sicher zu machen und vielleicht eine Schaukel oder ähnliches aufzustellen. Das wir „nur“ einen Balkon hätten, würde schon passen. Dass wir „nur“ 100qm und damit weniger Fläche hätten als jetzt, würde auch irgendwie passen. Die Finanzierung würde auch klappen, es wäre verdammt knapp, aber irgendwie würde es passen.

So ging es weiter. Wir waren so weit, dass Gespräche mit der Bank stattfanden – und ich bekam auch Zuspruch: in Immobilien zu investieren wäre so sinnvoll, für Mila ist die Gegend zum Aufwachsen wunderschön und da könnte man eine lange Zeit bleiben. So wäre die Miete nicht verschwendet.

Die Finanzierung sollte am nächsten Tag abgesprochen werden – und ich lag nachts wach. Grübelte wieder und konnte mir keinen Reim darauf machen, warum ich so ein schlechtes Gefühl bei der Sache hatte. Es sollte doch eine gute Entscheidung sein. Es sollte sich richtig anfühlen!

Das tat es aber nicht. Stattdessen fühlte es sich beklemmend an und ich wollte das alles gar nicht. Ich dachte an die Geburtstagsparties im Garten, die wir nicht feiern können würden, weil wir keinen eigenen Garten hätten. Ich dachte auch daran, dass immer etwas unvorhergesehenes passieren könnte – zum Beispiel Zwillinge oder ein drittes Kind oder ein Büro für meinen zukünftigen Job… oder, oder, oder. Es musste nur eine Sache schief gehen, und wir würden uns finanziell so einschränken müssen für etwas, dass nicht zu 100% stimmte.

Am nächsten Tag besprach ich mich mit meinem Verlobten und wir sagten die Wohnung ab.

Was sich dann breit machte und mich selbst ziemlich überraschte, war ein Gefühl der Erleichterung! Ich fühlte mich, als ob mir ein Stein vom Herzen fiel – denn ich hatte die komplette Zeit über mein Bauchgefühl konsequent ignoriert. Ich war nicht von der Besichtigung wiedergekommen und hatte gedacht: „Das ist es, hier können wir alt werden und unsere Kinder aufwachsen sehen!“ Ich hatte nie das Gefühl gehabt: Das passt. Zu 100%!

Zum Glück, denn ansonsten hätten wir vermutlich schon einen Kaufvertrag unterschrieben. Jetzt haben wir aber noch die Wahlfreiheit, können in Ruhe weitersuchen, und wenn das Richtige dabei sein sollte, dann werden wir es sofort wissen! Denn dafür muss man keine Abstriche machen, sondern dann sagt die innere kleine Stimme: „Ja.“

 

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Was ich damit sagen will? Jeder von uns kommt ab und an mal an einen Punkt, an dem die Situation vielleicht verworren aussieht – und man tendiert dann dazu, das zu tun, was Sinn macht. Dabei sollte man sich viel mehr zurück besinnen auf das, was viel zu oft untergeht: das Bauchgefühl. Dann kann nix mehr schief gehen!

Gibt es auch solche Geschichten, in denen ihr auf euer Bauchgefühl gehört habt?

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2 Comments

  • Reply Else 9. August 2016 at 10:27

    Diesen Beitrag finde ich wunderbar!
    Es stimmt so sehr, dass man manche Dinge im Leben nach dem Gefühl entscheiden sollte, anstatt sie zu zergrübeln.
    Das ist ein Thema zu dem ich neulich schon einen interessanten Artikel gelesen habe. Mit rein rationalen Entscheidungen macht man sich oft unglücklich. Leider vermisse ich mein eigenes klares Bauchgefühl zur Zeit (vielleicht auch schon seit Langem) sehr. Ich habe oft den Eindruck, meinen Zugang zu meiner inneren Stimme verloren zu haben und nur noch verwirrt zu sein.
    Seit zwei Monaten geht es mir psychisch sehr schlecht. Ich leide seit Jahren unter wiederkehrenden Depressionen. Ein Symptom dieser Krankheit ist eine ausgeprägte Entscheidungsschwäche, die mich oft zum Verzweifeln bringt.
    Das fängt bei Kleinigkeiten des Alltags wie Wäsche waschen oder einkaufen an und zieht sich durch alle Bereiche des Lebens. Ich fühle mich dann oft in Grübelzwängen gefangen. Mein Kopf macht ein riesen Drama aus jeder noch so unwesentlichen Entscheidung und suggeriert mir, dass ich alle Argumente dafür und dagegen gründlich abwegen muss und ja keine falsche Entscheidung treffen darf. So verbringe ich manchmal eine halbe Stunde vor einem Artikel im Drogeriemarkt, weil es ihn in mehrfacher, leicht verschiedener Ausführung gibt.
    In diesen Situationen vermisse ich ein Bauchgefühl unglaublich.
    Eine viel größere und auch wichtige Entscheidung muss ich nun sehr bald treffen. Ich möchte eine Therapie beginnen. Entscheiden muss ich mich nun für eine Therapieform und einen Therapeuten. Die Auswahl ist zum Glück begrenzt, weil die meisten Therapeuten monatelang ausgebucht sind. Bei zwei Therapeuten habe ich dennoch Termine bekommen und führe gerade unverbindliche Erstgespräche.
    Und immer mehr wird mir bewusst, dass mein Bauchgefühl sich doch wieder bemerkbar macht. Es hat sich schon für einen Therapeuten entschieden. Nur zieht mein Kopf noch nicht mit. Er versucht mich mit guten Argumenten in die andere Richtung zu lenken. Ein unangenhemer Kampf…

    • Reply Annie 10. August 2016 at 09:50

      Danke für deinen sehr persönlichen Kommentar, das war bestimmt nicht einfach, das alles niederzuschreiben… Ich finde es aber toll, dass du es gemacht hast, weil ich glaube, dass es eine gute Motivation ist und es auch greifbarer macht, alles schwarz auf weiß stehen zu haben. Auf jeden Fall freue ich mich, dass du diesen Schritt wagen willst und diese Herausforderung angehen willst, ich wünsch dir von ganzem Herzen viel Erfolg dabei! Übrigens hab auch ich früher mit den gleichen Problemen zu kämpfen gehabt (und ab und zu verfalle ich auch wieder in alte Muster), aber es gibt zum Glück auch ein Licht am Ende des Tunnels… 🙂 Viel Glück bei deiner Reise und lieben Dank nochmal für deine Worte <3

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