Allgemein

Fernstudium mit kleinem Baby: Geht das?

17. Januar 2016

Seit Oktober letzten Jahres bin ich (Fern-)Studentin. Meine Tochter war sieben Monate alt, als ich das Studium begonnen habe.

Im Vorfeld habe ich mir so viele Gedanken gemacht, ob das alles klappen wird… Als Mensch, der sehr viel grübelt und zerdenkt, für mich eine Mammutaufgabe! Wie sollte ich sowas denn entscheiden können? Zurück an die Uni? Und wann kümmere ich mich um die Klausuren? Und wann um’s Kind?

Eine Menge Fragen. Und ich war vollkommen verwirrt. Mila ist auch mein erstes Kind, ich hatte keine Ahnung, wie das so ist, Mami zu sein.

Studentin war ich allerdings schon einmal. Ein Semester lang BWL. Wie das ausgegangen ist, kann man sich vorstellen: mir war der Stoff viel zu trocken und ich habe mich auch gelangweilt und war absolut nicht motiviert, auch nur irgendwas zu tun. Im zweiten Semester bin ich kaum noch zu Vorlesungen gegangen und damit hatte sich das Thema ohnehin erledigt.

Warum also jetzt nochmal ein Studium, dann auch noch mit Kind?!

Meine Liste an Berufen und Richtungen, die ich ausprobiert habe, wurde immer länger. Ich fühle mich beruflich nirgends wirklich zuhause und war nie eine dieser Personen, die gesagt haben „Ich werde Tierarzt!“, um dann tatsächlich Tierarzt zu werden. Gab es bei mir nicht. Ich konnte sehr gut ausschließen, was ich nicht wollte, aber leider wusste ich gar nicht, was das Richtige war.

Ich kann vieles ganz gut, aber nichts wirklich richtig gut! Nicht dieses eine Ding, in dem ich alle anderen hinter mir lasse. Sondern ich bin mehr diese Art von Mensch, die zehn Dinge mittelmäßig bis gut macht.

Und nach einer langen Odysee bin ich im Beruf der Store Managerin angekommen. Und um ehrlich zu sein, ich habe es nicht leiden können. Der Kundenkontakt löste in mir nichts Positives mehr aus, immerzu die gleichen Fragen, die gleichen Abläufe und das roter-Teppich-ausrollen-für-5€-Einkauf. Die schlechte Bezahlung. Die schrecklichen Arbeitszeiten. Ich hatte genug.

Dann wurde ich schwanger. Und der Einzelhandel war für mich komplett abgeschrieben. Ich wollte geregelte Arbeitszeiten, mit der Möglichkeit, auch mal bei meinem kranken Kind zuhause zu bleiben (bei einer gering besetzten Filiale vorher kaum möglich), und einem Beruf, der mich forderte und begeisterte.

Und weil mein Steckenpferd schon immer irgendwie das Personalwesen und die Ausbildungs- und Fortbildungsecke war, studiere ich jetzt Wirtschaftspsychologie. Um damit irgendwann mal vielleicht in die Personalentwicklung zu gehen. Das wäre das Ideal.

Für das Fernstudium gibt es zwei Gründe: ich bin nicht von Unizeiten abhängig und kann Mila die ersten Monate zuhause betreuen. Und der Studiengang wird in meinem näheren Umkreis nicht angeboten.

Die ersten drei Monate des Studiums sind nun vergangen und ich kann mittlerweile sagen: es ist machbar.

 

IMG_2152

 

Ich will euch Mut machen: zögert nicht. Hadert nicht mit der finanziellen Einschränkung, denn es ist eine Investition in euch selbst! Ihr seid nicht zu alt, denkt nur einmal daran, wie viele Jahre ihr noch arbeiten müsst. Ein Studium mit Kind ist nicht einfach, ABER es ist zu schaffen.

Sicher gibt es Hindernisse, wovon soll die Miete bezahlt werden, und wann lerne ich überhaupt? Deswegen will ich euch von meinen Erfahrungen berichten.

Anfangs habe ich immer dann gelernt, wenn Mila geschlafen hat, das tue ich heute nach wie vor. Leider ist meine Tochter ja eine eher schlechte Schläferin, so dass ich mich häufig noch abends und insbesondere am Wochenende hingesetzt und noch etwas getan habe. So kam ich wenigstens ansatzweise auf meine angepeilten Stunden. Und hier kommt der Vorteil einer Mami: man arbeitet wahnsinnig effizient. Habe ich im ersten Studiums-Versuch meine Zeit regelrecht verplempert, weiß ich jetzt: meine Tochter wacht in zwei Stunden wieder auf, bis dahin muss das geschafft sein. Ein super Motivator!

Unglaublich hilfreich hat sich dabei für mich ein grober Monats- und Wochenplan erwiesen. In meinem Studium kann ich selbst entscheiden, wann ich Klausuren ablegen muss. Daher plane ich das nächste Semester komplett mit Klausurterminen und plane dann von der Zukunft in die Gegenwart, um so besser abzuschätzen, wann ich mit dem Lernen beginnen muss. Anschließend mache ich noch eine Feinplanung für die Woche mit den zu bearbeitenden Kapiteln. Aber wichtig ist es auch, sich Pufferzeiten zu reservieren – denn gerade mit Kind kommt oft etwas dazwischen oder man kriegt nichts in den Kopf, weil man mit den Gedanken woanders ist.

Was für mich auch eine große Stütze war und ist, ist die Unterstützung meines Verlobten. Würde er nicht genauso dahinter stehen wie ich, wäre das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt. Liebäugelt ihr also auch mit einem (Fern-)Studium, beachtet besonders diesen Punkt. Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen euer Partner sich um’s Kind kümmern muss, damit ihr lernen könnt. Das sollte vorher für alle Beteiligten klar und in Ordnung sein. Nur dann kann das funktionieren!

Nutzt auch die Möglichkeit einer Kinderbetreuung, wenn es finanziell irgendwie passt. Mila wird ab Mai in die Krippe gehen (halbtags) und so kann ich mich jeden Tag drei bis vier Stunden ausschließlich um mein Studium kümmern und komme so schnell voran… bin also auch schneller fertig.

Und noch ein weiterer Punkt: macht es euch so einfach wie möglich. Habt ihr die Möglichkeit, in Teilzeit zu studieren, dann nutzt sie. Ich mache es genauso und habe durch die Anerkennung meiner Ausbildung trotzdem nur 6 Semester zu absolvieren! Langfristig gesehen wird es euch viel Stress ersparen und auch zu einem harmonischeren Alltag führen, weil ihr euch selber nicht so extrem unter Druck setzt.

Mein letzter Tipp ist aber der wichtigste von allen: hört auf euer Bauchgefühl. Wenn ihr den Wunsch habt, zu studieren, aus welchen Gründen auch immer, dann nehmt euch nicht die Chance. Mit Leidenschaft ein Ziel zu verfolgen, vor allem eins, dass euch persönlich und beruflich weiterbringen wird, kann nicht falsch sein. Ihr werdet vielleicht feststellen, dass ihr damit nicht glücklich werdet. Okay, dann soll es nicht sein. Aber einen Versuch ist es wert, denn ansonsten könntet ihr es irgendwann bereuen. Ihr solltet euch selbst genug wert sein, um es wenigstens zu probieren.

Meine erste Klausuren stehen übrigens im Februar, März und April an. Und ich fühle mich, trotz einem Kind das noch nicht in die Krippe geht, erstaunlich gut vorbereitet. Mal sehen, wie das ausgehen wird. 😉

Gibt es unter euch denn auch Studenten-Mamis? Ich freu mich, von euch in den Kommentaren zu lesen!

Alles Liebe,

Anni

 

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply Julia 19. Januar 2016 at 23:57

    Hi Anni,
    wahnsinn, dass du jetzt ein Fernstudium begonnen hast! Ich schrecke schon vor dem Gedanken zurück, ggf. meinen Master neben dem Job zu machen. 😀
    Aber du hast auf jeden Fall genug Biss das durchzuziehen!! Ich drücke dir jetzt schon die Daumen für die ersten Klausuren 😊
    Ich wusste übrigens auch nie was ich mal werden will und kann mich voll mit deinen Gedanken identifizieren!
    Ganz liebe Grüße aus Neuseeland ☺

    • Reply Anni 21. Januar 2016 at 12:20

      Hey! Ach du Gute, danke für die lieben Worte 🙂 Bin ganz gespannt, was ihr von eurer Wahnsinns-Reise erzählt und wünsche euch noch ganz viele aufregende & spannende Momente 😉 Lasst es euch gut gehen & liebe Grüße auch an Thilo 🙂

  • Reply Juli 31. Januar 2016 at 22:41

    Hey – bin zwar keine Studenten-Mami, aber dafür ein Studenten-Papi! *gg* Die Probleme die du angesprochen hast – finanzielle Sorgen, Zeitmangel, Stress etc. kann ich absolut nachvollziehen und hatte diese Ängste auch gehabt. Ich korrigiere: habe sie immernoch.

    Mittlerweile bin ich im 3 Semester und muss ich mal und mal weniger motivieren; Gerade dann, wenn ich mir so Fragen stelle wie: Warum genau tue ich mir das jetzt an? Ist es überhaupt das richtige Fach, ich könnte doch wechseln?! Vor allem wenn so furchtbare Module dran sind, welche mich so absolut gar nicht interessieren. Habe ich dann meinen roten Faden entdeckt geht es auch alles gleich wieder besser 🙂
    Seitdem mein Kleiner die Tür zu meinem „Arbeits/Lernraum“ öffnen kann, dann geht es richtig Rund. Da werden mal ganz schnell Post Its aus den Gesetzestexten, 400 Seiten lose Blätter Skripte durch den ganzen Raum geworfen. -> bin dann kurz vor einem Nervenzusammenbruch ^^

    Ich wünsche Dir jedenfalls echt viel Erfolg und vor allem viel Spaß bei deinem weiteren Studium! Halte durch!

    • Reply Anni 1. Februar 2016 at 11:30

      Hey Juli 🙂 Danke, ich bin auch echt gespannt was die nächsten Jahre Studium noch so für mich bereit halten werden 😉 Dir auch alles Gute und noch viel Erfolg! Gerade als Student und Mami/Papi hat man es ja wirklich nicht leicht… aber wir sind eh Superhelden, da kriegen wir so ein Studium doch locker gewuppt ;D

    Leave a Reply